Sparer scheuen langfristige Anlagen

Miltenberg, 25.06.2013

Raiffeisen-Volksbank: Überschuss von knapp fünf Millionen Euro im Jahr 2012 erwirtschaftet - Teilhaber bekommen fünf Prozent Dividende

"Ein zufriedenstellendes Jahr im schwierigen Umfeld", so fasst Hans-Martin Blättner, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen-Volksbank Miltenberg, die Jahresbilanz 2012 seiner Genossenschaftsbank in einem Pressegespräch mit unserer Zeitung zusammen. Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Hans-Werner Braun stellt er fest, dass sich das Gesamtgeschäftsmodell des regional orientierten Kreditinstituts bewährt hat.

Zwar fällt die Bilanzsumme mit gut 795 Millionen im Jahr 2012 etwas geringer als im Vorjahr (803 Millionen Euro) aus, aber unterm Strich bleibt ein Überschuss von knapp fünf Millionen Euro, der noch leicht über dem Vorjahresergebnis liegt. Wie in den vergangenen Jahren wird heuer eine Dividende von fünf Prozent ausgezahlt.
 

Schwarze Zahlen: Das Geschäftsjahr 2012 der Raiffeisen-Volksbank Miltenberg bewerten Vorstandsvorsitzender Hans-Martin Blättner (links) und sein Vorstandskollege Hans Werner Braun positiv.
Schwarze Zahlen: Das Geschäftsjahr 2012 der Raiffeisen-Volksbank Miltenberg bewerten Vorstandsvorsitzender Hans-Martin Blättner (links) und sein Vorstandskollege Hans Werner Braun positiv. Foto: Ruth Weitz

Leiden unter niedrigen Zinsen

Durch das Desaster der spekulativen Geschäfts von Großbanken haben auch regionale Kreditinstitute mit einer kundenorientierten Geschäftspolitik wie die Genossenschaftsbanken unter den Folgen des Niedrigzinsniveaus und der Regulierungspolitik zu leiden. "Die Schuldenkrise hat die Realwirtschaft erreicht", bringt es Blättner auf den Punkt. Die Vorschriften des Regulierungspakets Basel III sind in einem 1600 Seiten umfassenden Wälzer zusammengefasst, wie Braun anmerkt. Das Ziel: besseres Liquiditätsmanagement und mehr Transparenz und Qualität der Eigenkapitalbasis. Von einer Kreditklemme könne bei der Raiffeisen-Volksbank Miltenberg keine Rede sein, betonen beide Bankvorstände.

» Die Schuldenkrise
hat die Realwirtschaft
erreicht. «

Hans-Martin Blättner, Raiffeisen-Volksbank Miltenberg

 

Wertpapiergeschäft rückläufig

Im Dienstleistungsgeschäft, zu dem das Vermitteln von Bausparverträgen und Versicherungen zählt, verzeichnet die Bank einen Zuwachs von knapp sieben Prozent, während im Wertpapier- und Depotgeschäft ein Abwärtstrend zu beobachten ist. Die Niedrigzinsen freuen die Kreditnehmer, aber nicht die Anleger und die Verantwortlichen der Raiffeisen-Volksbank noch weniger. Laut Blättner und Braun schmälert das die Erträge, obwohl das Kreditgeschäft boomt (plus 2,2 Prozent Zuwachs). Auf der anderen Seite üben Sparer Zurückhaltung, weil die Rendite für langfristige Ablagen im Keller ist. Die Tendenz der Bankkunden: kurzfristig anlegen und langfristig ausleihen. "Wenn diese Situation auf Dauer anhält, müssen wir auf die Kostenbremse treten", kündigte Blättner an. Seiner Aussage nach wird das nicht in eine Schließung von Geschäftsstellen münden.
 

Kundenverhalten ändert sich

Angesichts der abnehmenden Kundenfrequenz vor Ort zu Gunsten des Online-Bankings seien die Öffnungszeiten schon jetzt an das veränderte Kundenverhalten angepasst. "Dagegen haben wir die Beratungszeiten ausgedehnt und das Leistungsspektrum unseres Kundenservicecenters weiter ausgebaut", betont der Vorstandsvorsitzende.

Als Partner von Privat- und Geschäftskunden und nicht zuletzt im Sponsoring sieht Blättner die Raiffeisen-Volksbank Miltenberg als bedeutenden Faktor in der Wertschöpfungskette des Landkreises. Das Ergebnis der im vergangenen Jahr in Auftrag gegebenen Kundenbefragung bestätigt die ganzheitlich ausgerichtete Geschäftspolitik.

Als einschneidende Veränderung bezeichnen beide Bankvorstände das Sepa-Verfahren (Single Euro Payments Area) für Überweisungen und Lastschriften, das mit Stichtag 1. Februar 2014 zu einem europaweit einheitlichen Zahlungsverfahren führt. Hier sei die Bank gut aufgestellt und habe alle nötigen Vorkehrungen getroffen. Firmenkunden und Vereine seien in mehreren Informationsveranstaltungen über die Änderungen aufgeklärt worden.
 

Hoffen auf moderates Wachstum

Trotz schwieriger Bedingungen erwarten Blättner und Braun in den nächsten Jahren ein moderates Wachstum des bilanziellen Kundengeschäfts und einen qualitativen Anstieg in den Kredit- und Einlagensegmenten. Sie setzen auf eine seriöse Geschäftsstrategie ohne jeglichen Renditedruck. "Für spezifische Geschäfte können wir auf die Fachleute der deutschen Zentral-Genossenschaftsbank zurückgreifen", sagt Blättner.

In der Vertreterversammlung am Donnerstagabend im Alten Rathaus in Miltenberg war diese Strategie zu bestätigen und über die Höhe der Dividende zu entscheiden. Weiterhin stand die Wiederwahl der Aufsichtsratsmitglieder Eckhard Bein (Hausen), Volkmar Hauck (Erlenbach), Franz-Ottmar Klappenberger (Dorfprozelten) und Bernhard Stolz (Bürgstadt) auf der Agenda.

Zahlen und Fakten: Raiffeisen-Volksbank Miltenberg

Die Raiffeisen-Volksbank Miltenberg betreibt insgesamt 25 Geschäftsstellen und sechs SB-Geschäftsstellen sowie einen Drive-in-Geldautomaten im Landkreis. Knapp 21000 Mitglieder sind an der Genossenschaftsbank beteiligt, die insgesamt rund 1,6 Millionen Ertragssteuern abführen. 279 Mitarbeiter aus der Region stehen in Lohn und Brot, davon 15 auszubildende, 80 Teilzeit- und 13 Altersteilzeitbeschäftigte. allein zwölf Millionen Euro an Gehältern fließen jährlich in den Landkreis zurück.

Im Jahr 2012 wurden insgesamt 137 000 Euro für die Förderung von gemeinnützigen Institutionen und Projekten ausgegeben. Drei Stiftungen werden von der Bank unterhalten. Für das operative Geschäft sind Vorstandsvorsitender Hans-Martin Blättner und sein Vorstandskollege Hans-Werner Braun verantwortlich.

Im Aufsichtsrat sitzen Joachim Bieber (Miltenberg) als Vorsitzender, Hermann Spinnler (Sulzbach) als sein Stellvertreter, Christ Bernes (Kleinheubach), Eckhard Bein (Hausen), Kurt Grimm (Kirchzell), Wolfgang Hanel (Klingenberg), Volkmar Hauck (Erlenbach), Heiko Kirchgäßner (Freudenberg), Theo Pfeifer (Großheubach), Bernhard Stolz (Bürgstadt), Gordon Trautmann (Sulzbach) und Heiner Trenner (Kleinwallstadt). (ruw)

Quelle: Raiffeisen-Volksbank Main-Echo-Grafik: P. Hörst

Ruth Weitz